Fühle wie ich
12. März - 18. März
Diese Woche ist unsere Fähigkeit, Gewissheit ins Leben anderer zu ziehen besonders groß. Wenn jemand zu dir kommt mit einer emotionalen oder körperlichen Problem, kann deine Gewissheit wie ein Leuchtturm sein, der ihnen den Weg aus der Dunkelheit weist.
Aber pass auf, dass deine Gewissheit nicht nur eine Maske der Unsensibilität ist.
Jemand sprach mich genau auf diesen Gedanken an: Ein Freund von ihm erfuhr während einer ärztlichen Untersuchung, dass er Darmkrebs hatte. Er sagte zu seinem Freund: “Keine Angst, alles wird gut. Vertraue dem Licht, scanne im Zohar, teile noch mehr mit anderen und du wirst das Ganze überstehen.”
Doch im Nachhinein erkannte er, wie unsensibel er gewesen war. Er hatte sich nicht einmal eine Minute Zeit genommen, um den Schmerz seines Freundes zu fühlen oder die schwierige Situation seines Freundes zu verstehen. Er hatte sich nicht auf die Stufe seines Freundes begeben.
Um ein positiver Kanal für Gewissheit zu sein, gehört auch dazu, den Schmerz anderer Menschen zu verstehen. Nur dann können wir sie dazu bringen, dem Licht zu vertrauen.
Wir müssen ihren Schmerz fühlen, als wäre es unser eigener, statt gleich wohlmeinende Ratschläge zu erteilen.
Wie ich schon in anderen Tune Ups sagte, sind Ratschläge unser größtes Laster. Manchmal ist es besser, einfach zuzuhören, mitzufühlen und den Mund zu halten. Wenn du dies tust, wirst du wissen, wann die richtige Zeit gekommen ist, um Lösungen anzubieten. Dann kannst du mit Hilfe des Lichts des Schöpfers, Dinge geschehen lassen. Und dies nicht unbedingt im selben Gespräch.
Wenn du willst, dass sie es “schnallen”, musst du es auch “schnallen”.
Denke an die positiven Kanäle in deinem Leben. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es die Menschen sind, die mit dir zusammen weinen, wenn’s gerade mal nicht so gut läuft. Wie sie handeln ist der Beweis, dass du ihnen wichtig ist, nicht ihre Worte. Vor kurzem habe ich eine interessante Statistik gelesen, die besagt, dass 50% der Kommunikation nicht verbal abläuft. Für mich bedeutet dies, dass du theoretische Kabbalah faseln kannst, bis du blau anläufst, aber wenn du keine Liebe zeigst, wird sich die Botschaft im Äther verlieren.
In früheren Zeiten heilten und reinigten die Cohanim (die heilende Klasse der Israeliten) eine unreine Person, indem sie für einen Tag deren Unreinheit auf sich nahmen. Auf eine gewissen Weise musst du dasselbe tun. Wenn nicht, wird die Person, der du helfen willst, nicht fühlen, dass sie dir sehr wichtig ist und wird sich deinen Worten verschließen.
Dies ist eine Geschichte aus dem Buch meines Bruders Michael Becoming Like God, die diesen Punkt…….
Einst begab sich ein Mann auf eine lange Reise, um seinem Lehrer eine traurige Nachricht zu überbringen: Der Mann hatte einen Sohn, um dessen Gesundheit es sehr ernst stand und die Ärzte hatten alle Hoffnungen aufgegeben. Ohne die Fürsprache seines Lehrers würde sein Sohn mit Sicherheit sterben. “Können Sie irgendetwas tun, um zu helfen?”
Daraufhin betete und meditierte der Meister, und versuchte alles in seiner Macht stehende. Aber nach stundenlangen Bemühungen wandte er sich traurig an seinen Schüler: “Es tut mir Leid, aber die Himmelstore sind geschlossen. Ich kann nichts mehr für Ihren Sohn tun.”
Der Mann war verzweifelt. Er nahm sein Pferd und begab sich auf den Heimweg. Als es Abend wurde, hörte er, wie ein Pferd hinter ihm galoppierte. Er drehte sich um und erkannte seinen Meister. Er dachte, vielleicht wäre es dem Meister gelungen, die Himmelstore doch noch zu öffnen.
“Gibt es etwas Neues?”, fragte er hoffnungsvoll. “Es tut mir Leid”, sagte der Meister, “die Himmelstore sind immer noch geschlossen. Aber nachdem Sie fort waren, wurde mir etwas klar: Auch wenn ich dir nicht helfen kann mit meinen Gebeten und Meditationen, kann ich wenigstens mit dir weinen. Deswegen bin ich gekommen.”
Und die beiden Männer setzten sich Seite an Seite auf einen Stein neben der Straße und weinten.
Alles Gute
Yehuda
72-Name der Woche: